Über meine Teilnahme an der Loccum Tagung
Globale Solarwirtschaft - Eine Chance für Afrika
von
Marko Foerstel
Juni 2003
Zusammen mit Falko Ueckerdt besuchte ich vom 26.05.03 bis zum 28.05.03
im Rahmen unserer Teilnahme am „Berlin-Nairobi Physics Students Exchange“
die Tagung „Globale Solarwirtschaft – Eine Chance für Afrika“ in
Loccum. Wir erhofften uns, uns einen Überblick über Aktivitäten,
Projekte, Möglichkeiten und Rahmenbedingungen in Afrika zu verschaffen,
um selbst ein sinnvolles und unseren Austausch bereicherndes eigenes Solarprojekt
auf die Beine stellen zu können. Dies hier ist ein Bericht über
den Verlauf der Tagung, unsere Eindrücke und Erfahrungen, sowie über
die Ideen und Möglichkeiten, die sich im Laufe der Tagung in Hinsicht
unseres geplanten eigenen Solarprojektes ergaben.
Mit sehr vagen Vorstellungen über die Situation in Afrika und
vagen Vorstellungen über ein mögliches eigenes Projekt in Nairobi
erreichten wir die Tagung am Montag Nachmittag. Es hatte sich mit diversen
Telefonkonferenzen zwischen uns und Jürgen Theiss herauskristallisiert,
dass wir eine Art Praktikumsplatzbörse für Berliner Studenten
einrichten könnten, die sich in Nairobi aktiv an einem Solarprojekt
beteiligen könnten. Dafür würden wir sowohl Sponsoren der
Praktikumsplätze sowie Praktikumsplätze an sich benötigen.
Auf der Tagung waren die potenziellen Ansprechpartner Herr Stephen Karekezi,
Direktor des African Energy Policy Research Networks (AFREPREN) in Nairobi,
Herr Hans-Joseph Fell, Mitglied des Bundestages (Bündis 90/Die Grünen)
und Vorsitzender der deutschen Sektion von EUROSOLAR, Herr Harry Lehmann,
Vizepräsident von Eurosolar, Herr Dr. Gerhard Knies, Vorsitzender des
Hambuger Klimaschutz-Fonds e.V. und Herr Achilo Ayacko, Minister für
Energie der Republik Kenia.
Auf der Tagung waren 70 deutsche und afrikanische Politiker, Forscher,
Studenten und Unternehmer aus der Solarwirtschaft. Ausserdem waren Solarprojektler
vetreten, wie auch zukünftige Solarprojektler - beide auf der Suche
nach Unterstützung. Die Atmosphäre war persönlich und familiär.
Wir lernten viele interessante Menschen kennen, deren Projekte und Ideen
unser eigenes zukünftiges Projekt sicher sehr bereichern könnten.
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Herr Hasler
(Vordergrund), Falko Ueckerdt (rotes Hemd), Marko Förstel (blaues Hemd)
und verschiedene Solarkocher.
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Einer von diesen war Herr Hasler. Er baut und entwickelt Solarkocher
und versucht diese in Afrika zu vertreiben. Im Laufe eines Gespräches
mit Falko Ueckerdt schenkte er uns einen seiner Kocher, dessen Tauglichkeit
wir in Kenia testen könnten. Eingebunden in unser Solarprojekt, stellen
wir uns nun also vor, vor dem Studentenwohnheim in Nairobi auf der Wiese
unser Essen mit diesem Gerät zuzubereiten, so seine Nützlichkeit
zu prüfen, sowie Interesse an der Technologie bei Studenten in Nairobi
zu wecken.
In einem Gespräch mit Herrn Karakezi, Direktor von AFREPREN,
der uns darauf aufmerksam machte, dass in Kenia traditionell im Haus gekocht
wird und somit Solarkocher kaum Potential haben, wurden uns allerdings
andere vielversprechende Möglichkeiten eigener Solarprojekte aufgezeigt.
AFREPREN führt in Kenia Feldstudien zur Energienutzung, -verbreitung
und –herstellung durch, mit dem Ziel eine selbstständige, dezentrale
und effiziente Energieversorgung zu sichern. Im Rahmen dieser Studien werden
u.a. mathematische Modelle und Simulationen des Energiehaushaltes benötigt.
Wir boten Herrn Karekezi unsere Hilfe an. Begeistert über unseren Austausch
und unser Angebot fielen ihm sofort mehrere Möglichkeiten ein, wie
wir uns engagieren könnten. Es stellte sich heraus, dass in Nairobi
der dringende Bedarf an fähigen Mathematikern und Physikern besteht.
Diese zu finden, und sie als Praktikanten in eine der Forschungsgruppen
von AFREPREN einzugliedern, wäre ein durchführbares Projekt für
unseren Austausch.
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Von links nach
rechts: Marko Förstel, Herr Maina, Falko Ueckerdt.
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Ganz ähnliche Erfahrungen machten wir mit Herrn Maina. Er kam
als Vertretung für den kenianischen Energieminister Herrn Ayacko.
Auch hier ergaben sich im Laufe unseres Gespräches viele Möglichkeiten
für fähige Studenten sich im Bereich Entwicklung und Forschung
an alternativen Möglichkeiten zur Energiegewinnung zu engagieren.
Eventuell könnte es unser Ziel sein, Diplomanden bzw. Doktoranden zu
finden, die hier eine äußerst sinnvolle Tätigkeit im Rahmen
ihrer Forschung hätten.
Beide Gesprächspartner beklagten auch die Umstände, dass
an der Universität Nairobi keine praktische Forschung betrieben wird.
Eine studentische Gruppe ins Leben zu rufen, die sich mit kenianischen
Problemen der Energieversorgung im mathematischen und physikalischen
Sinne beschäftigt, eventuell in Zusammenarbeit mit deutschen Gruppen,
wäre sicher auch eine Aufgabe, für die unser Austausch geradezu
prädestiniert ist.
Erwähnenswert zu Herrn Maina bleibt noch die ideelle Unterstützung,
die er dem Berlin-Nairobi Austausch als auch unserem zukünftigen
Projekt zugesagt hat. Sowohl er als auch Herr Karakezi waren begeistert
von unserem Interesse an Kenia und beide freuen sich auf ein Treffen mit
uns in Nairobi.
All diese Projekte erfordern allerdings finanzielle Unterstützung.
Deswegen versuchten wir Möglichkeiten der Finanzierung aufzudecken.
Hauptansprechpartner war Herr Lehmann, Vizepräsident von Eurosolar.
Ohne viele Umschweife machte er uns klar: „Eurosolar bietet keine finanzielle
Unterstützung...“ - sehr schade. Sollten wir allerdings ein Konzept
eines guten Projektes vorweisen können, seien wir ideeller Unterstützung
sicher. Auch sei es dann sicher möglich, „Wege einer Finanzierung
zu finden.“, -sehr vielversprechend.
Herr Fell, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der deutschen
Sektion von EUROSOLAR, war für uns leider nicht zu sprechen. Er war
nur am letzten Tag anwesend und verließ die Konferenz noch vor Ende.
Allerdings gibt es sicher diverse Vereine und andere Institutionen, die
uns nach Präsentation eines guten Konzepts finanziell unterstützen
würden. Im großen und ganzen wird die Erweiterung unseres Berlin-Nairobi
Austausches noch einiges an Arbeit und Diskussion erfordern.
Über die vielen Themen all der interessanten Vorträge
hier zu berichten, sowie über all die verschiedenen Konzepte und
Vorschläge für die Entwicklung einer Solarwirtschaft in Afrika,
sprengt den Rahmen dieses Berichtes. Es bleibt zu sagen, dass wir beide
um einiges reicher an Erfahrungen und Vorstellungen über Afrika und
über die Energiepolitik und –wirtschaft in Afrika nach Hause gefahren
sind. Wir haben neue solare Technologien kennengelernt und gelernt, dass
wilde Entwicklung blauäugig ausgeklügeltster Geräte am Nichtbedarf
scheitern kann, dass es einfach ist, eine Solaranlage zu installieren, schwer
hingegen etwas wirklich Nützliches zu schaffen, dass es nicht Solarenergie
ist, was vielen Afrikanern Sorge bereitet, sondern Hunger, und dass sauberes
Wasser bereitzustellen schwieriger ist, als einen riesigen Windpark aus dem
Boden zu stampfen.
Berlin, der 29.06.03
Mit Unterstützung von Falko Ueckerdt
Marko Förstel
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